Die Architektur



VON KLAUS MEYER, WARENDORF , Westfälische Nachrichten, 01.07.2009

Es ist die sprichwörtliche Planung aus einem Guss. Eine Planung, die „passt“, „gelungen“, „durchdacht“ und „am Bedarf orientiert“ ist. Das Resümee der Kommunalpolitiker zum künftigen „Gesicht“ der Verbundschule fiel am Montagabend im Schulausschuss mehr als zufrieden aus. Mit dem einmütigen Beschluss im Ausschuss und am Dienstagabend im Rat ist der Startschuss für die bauliche Erweiterung des bisherigen Hauptschulgeländes erfolgt. Ein Startschuss, der aber auch mit einem 24-prozentigen Kostennachschlag verbunden ist.

Bürgermeister Ludger Banken, der noch einmal den Bogen bis zu den ersten Planüberlegungen 2007 spannte, hob hervor, dass es sich nicht um eine Schulplanung nur von Verwaltung und dem Architekturbüro Altefrohne handele, sondern auch die Hauptschule mit eingebunden gewesen sei. Zentrale Frage dabei: „Für wie viele Schüler müssen wir bauen?“ Nach zunächst vermeldeten 90 Anmeldungen für Hauptschul- und Realschulzweig liegt man inzwischen bei 96 (49 Realschüler, 47 Hauptschüler). Damit wurde die ursprüngliche Vermutung, dreizügig zu starten, über den Haufen geworfen. „Wir starten tatsächlich vierzügig“, erklärte Schulamtsleiter Thomas Stohldreier. Damit einher geht eine modifizierte Raumplanung. Ging man zunächst von sechs Jahrgängen mit je drei Klassen - sprich 18 Klassenräumen - aus, liegt man nun bei 21. „In einem sind wir uns einig: Wir möchten eine Schule bauen, die einem hohen Qualitätsstandard genügt - jetzt, und auch in Zukunft“, so Banken.

Architekt Theo Altefrohne stellte die optimierte Gebäudeplanung vor, die ein Ergebnis „immer neuer zusammenfließender Gedankengänge“ sei. So wird der neue dreigeschossige Realschultrakt im Erdgeschoss vier Klassenräume und eine von außen zugängliche WC-Anlage beinhalten. Dazu kommen das Treppenhaus - das alte Treppenhaus der Hauptschule wird den Anforderungen einer erhöhten Schülerzahl nicht gerecht - sowie ein Aufzug. Realschul- und Hauptschulgebäude werden im ersten und zweiten Obergeschoss mit einem Verbindungsgang gekoppelt. Im ersten Obergeschoss wird das Realschulgebäude weitere fünf Klassenräume und im zweiten Obergeschoss zwei Klassenräume sowie Kunst-, Computer-, Differenzierungs- und Abstellraum umfassen. „Statisch ist das so geplant, dass wir eine große Flexibilität über viele Jahre erhalten“, verwies Alte- rohne auf Leichtbau-Zwischenwände, die Raumveränderungen in späteren Jahren ermöglichen.

Das Hauptschulgebäude wird im Erdgeschoss Ganztagsunterbringung, Differenzierungsraum, Caféteria und den durch die Verlagerung der Toilettenanlage vergrößerten Lehrertrakt umfassen, im ersten Obergeschoss Klassenzimmer und die umzubauenden naturwissenschaftlichen Räume sowie im zweiten Obergeschoss Klassenräume, Lehrküche, Differenzierungs-, Computer- und Medienraum.

Die Fassade des neuen Realschulgebäudes, das 2010 gebaut wird, soll mit Klinker und im oberen Bereich mit „Sandwich-Elementen“ gestaltet werden. Vom Tonnendach ist man zugunsten eines Pultdachs abgerückt, das sich auch für eine Photovoltaik-Anlage nutzen lässt. „Das alles ist keine Eigenidee, sondern eine Entwicklung vieler kreativer Leute“, dankte Altefrohne dem Projektausschuss für eine konstruktive Zusammenarbeit.

In der Gesamtsumme aller elf notwendigen neuen beziehungsweise wesentlich zu verändernden Räume gegenüber der ursprünglichen groben Planung erhöht sich der Investitionsansatz für die Verbundschule um 900 000 Euro auf dann 4,7 Millionen Euro, rechnete Stohldreier vor. Zwar sei das immer noch eine Zahl innerhalb des Planverfahrens und nicht einer Ausschreibung, aber „wir liegen jetzt schon näher am Markt“, sprich an den tatsächlichen Kosten.

Die Verteuerung des Projektes konnten alle Fraktionen nachvollziehen und sahen gleichzeitig auch einen Mehrwert, der geschaffen werde. CDU-Ratsherr Winfried Richter bilanzierte eine an den Bedarf angelehnte Planung - „das ist ein Gebäude, in dem man gut lernen und arbeiten kann.“ SPD-Chef Dr. Wilfried Hamann sprach von einer „gelungenen Planung“ und „gut investiertem Geld“, FDP-Ratsfrau Dagmar Brockmann bewertete die Planung als „gut durchdacht“. So sah es auch Grünen-Sprecher Frank Winkler, der allerdings die Frage stellte, ob die Gemeinde dieses Projekt auch wirklich finanziell stemmen könne.


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